Das Race Around Austria

Platz drei für das Gruppetto

Der RC Gruppetto Graz beendete das Race Around Austria in exakt drei Tagen und einer Stunde. Die Grazer holten somit in der Vierer-Team-Konkurrenz den dritten Platz

„Hoffentlich haut es da keinen runter, wenn wir losfahren.“ Die steile Startrampe rund um den Brunnen von St. Georgen im Attergau war allerdings nicht die größte Sorge, die die Fahrer des RC Gruppetto Graz Stunden vor dem Start des Race Around Austria hatten: 2200 Kilometer mit rund 30.000 Höhenmetern entlang der österreichischen Staatsgrenze warteten auf das Team und alle Beteiligten wagten sich zum ersten Mal an ein Ultrarennen; Fahrer und Betreuer waren Rookies. „Was glaubt ihr, wie hart es erst wird, wenn ihr beim Zurückkommen die Rampe hinauffahren müsst und dann richtig ,angepeckt‘ seid“, sagte der sechsfache RAAM-Sieger Christoph Strasser mit einem Lachen. Der Grazer (SU TRI Styria) fuhr mit Lukas Kienreich (URC Veloblitz) in der Zweier-Wertung und das Duo stellte mit 2 Tagen, 21 Stunden und 38 Minuten einen neuen Streckenrekord auf.

Das passte gut, denn so hatten die beiden Profis Zeit, sich für die Ankunft des Gruppettos schick zu machen: Nach exakt drei Tagen und einer Stunde war das Team rund um Chef Christian Dornhofer wieder zurück im Ziel. Tränen der Freude und Erleichterung flossen am Ortseingang St. Georgens. „Unglaublich“, sagte der Teamchef, der fast durchgehend im Pacecar hinter dem Fahrer für den richtigen Kurs gesorgt hatte, „wir haben es gemeinsam geschafft und sind einfach überglücklich.“  Eigentlich wird als „Gruppetto“ bei Rundfahrten als jener Teil des Feldes bezeichnet, der am Ende zusammen ins Ziel fährt. In diesem Fall hat der RC Gruppetto Graz seinem Namen nicht alle Ehre gemacht und einen tollen Erfolg eingefahren: Am Samstagabend  erklommen die Frischlinge das Podest und feierten den dritten Platz ausgiebig.

Die Tage vor dem Rennen standen im Zeichen der finalen Vorbereitung: Bekleben und Ausstatten der drei Fahrzeuge, Überprüfen des Materials, Einkaufen der Verpflegung, Laden aller Akkus, Rennbesprechung . . .  Langweilig wurde keinem und die Nervosität stieg stündlich, bis es am Mittwoch um 18.18 Uhr (unfallfrei) über die Rampe gegangen ist. Die ersten Kilometer spulte Martin Konrad herunter. Die Gämse des Gruppettos mauserte sich in den kommenden drei Tagen zum Berg-Dominator der Vierer-Konkurrenz. Alleine auf dem Dientner Sattel  zertrümmerte er mit einer Dauerleistung von 240 Watt die Gegner. Die konnten auf der Passhöhe nur applaudieren, als der hauptberufliche Krankenpfleger auf dem großen Kettenblatt den Berg quasi planiert hatte.

Die Taktik der Grazer war zuvor festgelegt: Zwei Zweierteams wechselten sich in einem zuvor vom Teamchef festgelegten Muster (je ungefähr 100 Kilometer) ab. Innerhalb der Teilstücke hatten die beiden Fahrer aber freie Wahl. Während das Pacecar (mit Christian Dornhofer, Robert Hager und Heinz Stampfl) den aktiven Fahrer begleitet hat, brachte das Wechselauto (mit Katharina Kern, Robert Klammler, Christian Haas und Matthias Nentwich) den zweiten zum Wechselpunkt. Die übrigen Teammitglieder konnten sich unterdessen im Wohnmobil von Fahrer Erwin Oppacher ausrasten. Da ließ Andreas Haberl seinen magischen Händen freien Lauf und lockerte die angespannten Muskeln.

Auf ihren Teilstücken fand das Duo Rene Grossauer und Christoph Werner die ideale Balance. Die beiden Allrounder zeigten auf Glockner, Kühtai und Arlberg wie bergfest sie sind und in den Ebenen ihre Klasse auf dem Zeitfahrrad. Grossauer stellte schon vor einem Jahr seine Ausdauer unter Beweis und strampelte bei einer Spendenfahrt in zwei Tagen von Graz über Salzburg und Nürnberg ins oberfränkische Bad Rodach (700 Kilometer). Werner beendete heuer den Austria Extrem Triathlon von Graz auf den Dachstein. Ihre konstanten Leistungen über drei Tage trugen maßgeblich zu dem Stundenmittel von 29,97 Kilometern bei.

Ab dem Arlberg teilten sich Konrad, Grossauer und Werner die Last auf den Bergen in einem Dreier-Radl und verkürzten so immer mehr den Abstand zur zweitplatzierten Mannschaft, bis Konrad auf dem Dientner Sattel an den Oberösterreichern vorbeigeflogen ist. Das alleine reichte allerdings nicht, denn die Grazer mussten zuvor ihrer Unerfahrenheit Tribut zollen und kassierten – teilweise sehr harte – Strafen durch die Offiziellen. Nach einer vierten (vollkommen zu Unrecht) ausgesprochenen Strafe lagen kurz die Nerven blank. Doch nach einem Telefonat mit der Rennleitung war alles geklärt und es ging weiter in Richtung Ziel und somit dem persönlichen Triumph entgegen. Am Ende war das Erklimmen der Rampe unter dem Jubel der vielen Zuseher auf dem Hauptplatz auch kein Problem und bei der Sektdusche waren dann alle Strapazen vergessen.