2021_09 TransAlpineRun ( TAR2021 )

In 8 Tagen vom Kleinwalsertal in Vorarlberg über die Alpen in die Schweiz und nach Italien. Rund 15.000 Höhenmeter und 260km, das sind die Eckdaten des Etappenlaufs bei dem man im Zweier-Team mit 600 weiteren Läufern an den Start geht.

Christoph Werner und ich, sind schon ein paar Marathons gelaufen. Durch die gemeinsame Vorbereitung auf den AustriaXtreme Triathlon (https://www.strava.com/activities/2472269264) bei dem ich den Supporter für Christoph gemacht habe, haben wir die Freude am Berglaufen entdeckt. Jeden Mittwoch am Abend laufen wir eine Runde auf den Schöckl und auch den Weg nach Mariazell (105km https://www.strava.com/activities/3604335150) haben wir schon laufend bewältigt. Somit dachten wir, dass wir gut vorbereitet für den Transalpine Run sind.

Das es anstrengend werden wird, war klar, aber es wurde viel härter als gedacht. Am ersten Tag standen 31,7km und 1900Hm von Hirschegg im Kleinwalsertal nach Lech am Arlberg am Plan. Traumhaft schönes Wetter, unglaubliches Bergpanorama, steile Anstiege aber auch schön zu laufende Trails. Glücksgefühle durch die atemberaubende Landschaft lassen die Anstrengung immer wieder vergessen. Aber im Ziel waren wir dann so richtig k.o. Einerseits froh es geschafft zu haben und andererseits ein mulmige Gefühl im Bauch mit der Frage die man sich stellt: „Wie soll man die nächsten paar Tage schaffen? Die Etappen werden länger und auch die Höhenmeter werden mehr und schon heute ist man total k.o.

Aber man macht einfach weiter.

Die zweite Etappe von Lech am Arlberg über den Rüfikopf hinunter zum Flexenpass und über schöne Almen nach St. Anton am Arlberg war mit 28,7km und 1640Hm zwar ein bisserl kürzer, aber um nichts leichter als die erste Etappe. Die Anstiege noch schwieriger aber auch das Panorama noch schöner. Irgendwie findet man hinein in den Rhythmus aus laufen, essen, schlafen und wieder essen. Am Abend noch den Rucksack für den nächsten Tag packen, aber viel mehr macht man nicht.

Dritter Tag, von St. Anton am Arlberg vorbei am Kartellstausee, über das Küchenhöchli und Schafbichjöchli nach Galtür, 34km und 2450Hm. Das Wetter war auch an diesem Tag einfach nur traumhaft schön. Die Etappe war länger als am Tag davor, aber trotzdem fühlte es sich nicht viel schwerer an. Wir haben uns daran gewöhnt. Ist auch gut so, denn auf der vierten Etappe warten 42,3km mit 2030Hm, von Galtür geht es in die Schweiz nach Klosters. Ein Marathon über die Alpen mit Schneefeldüberquerung und kurzer Klettersteigpassage über das Hochmadererjoch. Kaum vorstellbar noch vor zwei Tagen, haben wir es dann einfach gemacht. „Einfach machen“ hatten wir auch als Team Namen gewählt und es bewies sich als ein gutes Motto.

Am fünften Tag stand ein Bergsprint am Programm. 8,7km und 940Hm ging es von Klosters hinauf zur Madrisa. Ein kurzer knackiger Bergspringt, eine angenehme Abwechslung zu den langen Etappen zuvor und willkommener „Ruhetag“ vor der längsten Etappe am nächsten Tag von Klosters über 47km und 2300Hm nach Scuol in die Schweiz.

Eingebettet zwischen 3000er Gipfel führt der Weg auf der sechsten Etappe durch das Vernela Tal zum Fuorcla Zadrell. Auf panoramareichen Trails im im Val Tuoi geht es am Fuße des Piz Buin über Unterengadinger Bergwiesen nach Scuol in Graubünden. Für uns lief es super, wir hatten richtig gut ins Laufen hineingefunden und landeten in der Tageswertung einige Plätze weiter vorne als an den ersten paar Tagen (17.Platz in der MasterMen Klasse).

Siebente Etappe von Scuol nach Prad am Stilfserjoch in Italien. 44km und 2290Hm, das geht doch leicht, dachte ich mir. Aber durch das lange Bergablaufen nach Scuol hatte ich mir das Schienbein ein wenig beleidigt und am Morgen des siebenten Tages tat mein Schienbein bei jedem Schritt wirklich sehr weh. Deshalb habe ich mir von den Physiotherapeuten, die schon die ganze Woche den ganzen Tross begleiten haben und die wir auch schon für ein paar Massagen unsere müden Beine in Anspruch genommen hatten, ein Tape anlegen lassen. Es schien so, als würde das Tape funktionieren. Bergauf war der Schmerz nicht ganz so schlimm, aber bergab hat es wieder richtig weh getan. Zu Beginn ging es hinauf zur höchsten Stelle des TransalpineRuns (Fuorcla da Rims, 2975m) und danach über ein steiniges Hochplateau hinunter in den Vinschgau nach Prad am Stilfserjoch.  Es war noch ein weiter Weg bis nach Prad. Die letzten Kilometer sind gefühlt immer länger geworden. Es war super anstrengend, viel anstrengender als gedacht, aber wir haben es geschafft. Sieben Tage über die Alpen, die meiste Zeit auf über 2.000m über dem Meeresspiegel. Das zerrt an den Kräften. Aber die unbeschreiblich schöne Landschaft, die sich immer wieder aufs Neue nach jeder Steigung vor einem auftut, entschädigt tausendfach für die Anstrengung die man auf sich nimmt. Es war ein unglaubliches Abenteuer und ich bin superglücklich es geschafft zu haben. Danke an meinen Partner Christoph, wir waren ein super Team.

Bericht von Bernhard Wagner